Was braucht so ein Hund?

Falls Du mit dem Gedanken spielst, einen Hund anzuschaffen, gibt es viele Punkte, über die Du Dir im Vorfeld Gedanken machen solltest... Nicht nur das ein Hund Geld und Zeit kostet - auch über Ernährung und Erziehung sollte man sich am besten vorher Gedanken machen...

Ein Hund fordert Verantwortung. Er fordert regelmäßige Bewegung und Beschäftigung. Hier muss klar werden, dass man sein Leben, wenn man sich einen Hund hält, natürlich nach diesem richtet. Dennoch sind Flexibilitäten möglich. Diese können problemlos realisierbar sein, jedoch auch überhaupt nicht realisierbar sein. Das weiß man vor der Anschaffung nicht. Das kommt auf den Hund an! Das MUSS jedem (zukünftigen) Hundhalter bewusst sein. Eine nachträgliches Abschieben ins Tierheim ist definitiv KEINE Alternative.

Achte auf Deinen Hund. Mit mehr oder weniger Flexibilität und Konsequenz kommt jeder Hund unterschiedlich zurecht. Nimm Deine Verantwortung ernst. Versuche nicht Dinge durchzusetzen, die bei anderen Leuten funktionieren, wenn DEIN Hund darunter leidet. Und auch umgekehrt: Dinge, von denen andere sagen, dass das niemals möglich wäre bei keinem Hund, können in Eurem Team durchaus funktionieren!

- Beschäftigung:

Mach Dir klar, dass ein Hund Beschäftigung braucht! Jeder Hund ist anders, aber man kann schon im Vorfeld bei der Wahl der Rasse überlegen, ob man diesem Hund gerecht werden kann. Wähle keinen Border-Collie, wenn Du keine Zeit hast, seinen Hütetrieb in ausreichendem Maße befriedigen zu können. Wie viele Border-Collies wandern jährlich ins Tierheim, weil sie aus Langeweile angefangen haben, die Familie zu hüten. Das kann so weit gehen, dass kein Familienmitglied mit Bekannten auch nur ein Wort wechseln kann. Auch ein Fall ist bekannt, dass der Hund die 3 Kinder der Familie im Garten eingesperrt hat, als die Eltern zum einkaufen fuhren. Er hat sie wie Schafe zusammengepfercht - die Kinder hatten ordentlichen Respekt vor ihm, weil er immer wieder Drohgebärden und ein Schnappen andeutete, sobald sich ein Kind entfernen wollte. DAS ist keine Aggression den Kindern gegenüber! DAS ist Langeweile des Hundes - er wurde gezüchtet, um genau diese Dinge zu tun. Und ob es nun Schafe oder Kinder oder auch Gegenstände sind - er ist ein Hütehund!

Das ist nur eines von vielen Beispielen. Probleme wie diese lassen sich schon im Vorfeld vermeiden! Aber nicht nur Hütehunde brauchen eine Aufgabe. Auch ein Mischling, ein Pudel, ein Mops - jeder Hund wird gern beschäftigt. Und ist letzten Endes ausgeglichener.

- Spaziergänge:

Ein Garten ersetzt keinen Spaziergang! Viele Leute sind der Meinung, dass sie mit ihrem Hund nicht regelmäßig spazierengehen müssen, wenn dem Hund ein Garten zur Verfügung steht. NEIN! Ein Spaziergang ist für den Hund wie Zeitung lesen. Das Schnüffeln in der Umgebung sagt ihm, wer dort zuletzt gewesen ist, wem es nicht gut geht, wer ihm sein Revier streitig macht und und und... Im Garten gibt es solche Gerüche nicht!!! Auch ist ein Spaziergang immer wieder ein Zeichen für den Hund, dass Herrchen oder Frauchen sich mit ihm beschäftigt und sich Zeit nimmt. Zudem ist der Spaziergang ein wichtiger Aspekt zum Erlernen und Beibehalten von Sozialverhalten. Im Garten gibt es keine anderen Hunde...
Ebenso ist es nicht so, dass ein kleiner Hund weniger Bewegung und Auslauf braucht als ein großer. Quatsch! Es gibt große Hunde, die sehr gemütlich sind und von sich aus vielleicht weniger Bewegung fordern als ein kleiner quirliger Hund. Nur weil der Hund klein ist bedeutet das nicht, dass ihm ein 20 Minuten Spaziergang genügt!

- Futter:

Ein Hund braucht gutes Futter! Dieses muss nicht teuer sein muss. Informier Dich z.B. im Internet über die Futterarten und die Inhaltsstoffe. Die Dinge, die in der Werbung angepriesen werden erscheinen dann später aufgrund der z.T. hohen Zucker- und Salzkonzentrationen gar nicht mehr so gut! Versuche Deinem Hund Abwechslung zu bieten! Informier Dich darüber, was Dein Hund nicht bekommen darf (letztendlich beschränken sich die richtig "gefährlichen" Sachen auf Schokolade, Zucker, Schwein, Avocados und Zwiebeln). Gibt es bei Dir Nudeln, Reis oder Gemüse, warum kochst Du nicht eine Handvoll mehr? Dein Hund wird sich freuen! Ebenso kann man seinem Hund durchaus Flexibilität antrainieren, was das Futter betrifft. Man darf es nicht verallgemeinern - sicher gibt es Hunde mit empfindlichen Magen oder Futtermittelallergien. Allerdings kann man durchaus versuchen, dem Hund anzugewöhnen, dass es eben das gibt, was da ist, ohne dass er gleich mit Durchfall reagiert.

- Krankheiten:

Ein Hund wird auch mal krank! Genau wie bei den Menschen gibt es auch bei Hunden Grippewellen. Auch ein Hund kann einen Magen-Darm-Virus bekommen - oder eine Erkältung. Er kann sich die Kralle verletzen, braucht ab und an eine Wurmkur oder Flohschutzmittel. Dass es auch zu größeren Unfällen kommen kann, sollte jedem bewusst sein.

Auch hier lassen sich oft Tierarztgänge vermeiden. Halte Deinen Hund nicht isoliert - lass ihn schnüffeln, lass ihm den Kontakt mit anderen Hunden. Das stärkt wie bei uns Menschen das Immunsystem! Im Übrigen zeigen Studien, dass Menschen, die sich mit Tieren umgeben, weniger oft krank werden, weil sie allein durch das Tier mit vielen Bakterien und Dreck in Berührung kommen. Auch die Bewegung an frischer Luft stärkt das Immunsystem - nicht nur des Menschen.
Sei Dir bewusst, dass ein Hund MINDESTENS einmal im Jahr (zur Impfung - Kostenpunkt zwischen € 30-50) zum Tierarzt muss. Ein paar Informationen zum Thema Impfungen hier.

- Routine:

Nicht nur bezüglich des Futters lässt sich Flexibilität beim Hund erreichen. Auch in Punkto Fütterungszeiten und Spaziergänge. Sicherlich haben die meisten Leute einen geregelten Tagesablauf. Das überträgt sich auch auf den Hund, und der fühlt sich sicherlich wohl dabei. Dennoch ist es möglich, den Hund daran zu gewöhnen, dass der erste morgendliche Spaziergang zwischen 6 und 10 Uhr stattfindet. Ohne dass der Hund leidet oder auf die Barrikaden geht. Selbstverständlich kann das auch in die Hose gehen (oder auf den Teppich). Jeder Hund ist anders, doch es liegt an Dir, den Hund individuell zu erziehen und an Unregelmäßigkeiten zu gewöhnen! Nur weil Dir viele Hundebesitzer sagen, dass das nicht funktioniert muss das noch lange nicht für Euch beide gelten! Probier es aus!

- Erziehung:

Auch hier gilt: Nicht der Hund bestimmt, sondern Du. Du bist der Rudelführer. Eigentlich schon ein schlechtes Wort, vielleicht sollte man lieber Teamleader sagen. Dass das dem Hund klar wird, kann nicht durch Prügel erzeilt werden. Die Folge darin ist, dass es kein Team mehr ist, sondern ein Mensch-Hund-Angst Verhältnis. Lange wurde zu Teletaktgeräten (Stromhalsbänder) und Stachelwürgern geraten. Leider gibt es das auch heute noch, dass Hundanfängern, egal welche Rasse oder welche Größe der Hund hat in der Hundeschule zu diesen Maßnahmen geraten wird. Auch Yorkshire-Terrier mit Teletaktgeräten haben wir schon kennengelernt...

Nicht durch Einwirkung von Gewalt ist das Ziel erreichbar. Sondern durch viele subtile Signale. Beispiele dafür sind, dass er nicht auf die Couch darf, dass Du zuerst über die Türschwelle gehst, dass Du zuerst isst - dann er. Dass gespielt oder geschmust wird, wenn DU das möchtest. Das tut dem Hund nicht weh. Dennoch versteht er die Botschaft.

Wer nun glaubt, dass der Hund gar nicht mehr mit einem spielt, oder das gerade erworbene Vertrauensverhältnis durch Zurückweisung gestört wird: NEIN! Ein Hund kann nicht damit leben, wenn ihm nicht klar ist, wo er steht. Ein Hund, der drinnen Prügel kassiert weil auf die Couch springt, draussen jedoch macht was ER will, hat keine klare Rangordnung. Viele Hund fühlen sich mit einer solchen Situation äusserst unwohl. Setzt man klare Linien wird das Vertrauensverhältnis umso mehr gestärkt.

Auch hier noch einmal: Jeder Hund ist anders! Es gibt Hunde, denen lange Zeit gezeigt werde muss, wo sie stehen. Es gibt andere, bei denen das nicht in Frage gestellt wird, und es von vorneherein klar ist. Auch muss man nicht ständig ALLE Signale des Überlegenen spielen. Solange dem Hund die generelle Situation klar ist, kann auch mal ER als erster durch die Tür gehen. Auch im Wolfsrudel ist es so, dass es zwar ein Alpha-Tier gibt. Also die generelle Position jedes Tieres ist klar. Dennoch gibt es Ausnahmen von dieser Regel und auch rangniederen Tieren sind Verhaltensweisen erlaubt, die man lange Zeit nur dem Alpha-Tier zusprach.